News Danke/Bitte Kontakt/Impressum Disclaimer Sitemap

An Khe

Thai Binh

Nam Dinh

Einleitung

Anfang Januar 1947 beschließt das französische Oberkommando, endlich auch das eingeschlossene Nam Dinh zu unterstützen. Die Stadt mit etwa 40. 000 Einwohnern ist ein wichtiges Industriezentrum.
In einigen Gebäuden der Stadt haben sich drei Kompanien des II/6° R.I.C. unter Commandant Daboval verschanzt und schützen dort seit 19. Dezember 1946 die europäische Bevölkerung gegen eine Übermacht der Vietminh. Man schätzt die Vietminh auf etwa 6000.

Den Abend des 02. Januar 1947 wird die 4° Compagnie des I/3° R.E.I. in Haiphong in Marschbereitschaft versetzt.
In der monatelangen Abwesenheit von Lieutenant Mattéi führt Lieutenant Mulsant die 4° Compagnie.

Am Morgen des 03. Januar 1947 nimmt Lieutenant Mulsant mit Sous-Lieutenant De Franclieu, Chef der Section Pioniere der 4° Compagnie, an der Einsatzbesprechung von Lieutenant-Colonel Stoeber teil.

Man soll als Teil eines Flusskonvois auf Nam Dinh vorstoßen, während gleichzeitig Fallschirmjäger über der Stadt abspringen werden.
Danach soll die Zivilbevölkerung evakuiert werden, aber die Stadt bis auf weiteres durch die bestehenden Truppen und die Kompanie Legionäre gehalten werden.

Karte des Tonkin-Deltas mit Hai Duong und Nam Dinh (6,1 MB)

04. bis 05. Januar 1947 - Hai Duong

Den 04. Januar 1947 wird die 4° Compagnie des I/3° R.E.I. per LKW von Haiphong aus nach Hai Duong verbracht.
Am Flußufer des Song Thai Binh verbringen die Legionäre die Nacht.

Am frühen Morgen des 05. Januar 1947 werden die 96 Legionäre der 4° Compagnie auf zwei L.C.T. eingeschifft. Dann beginnt die Fahrt auf dem Song Thai Binh in Richtung Süden.
Weiter über den Canal des Bambous erreicht die L.C.T. den Roten Fluss gegen 10 Uhr, wo weitere Schiffe aus Richtung Hanoi hinzustoßen.
Es sind vier L.C.M. auf denen auch zwei leichte Panzer des 1° R.C.C. transportiert werden, sowie ein L.C.I.

Zusammen geht es nun langsam auf dem Roten Fluss in südlicher Richtung auf das nun nur noch gut 25 Kilometer entfernte Nam Dinh vor, die Legionäre bilden die Vorhut.

05. bis 06. Januar 1947 - Operation Dédale

In Hanoi rollt derweil am Abend des 05. Januar 1947 die Luftlandeoperation Dédale an. Drei Kompanien der Demi-Brigade Para SAS, rund 450 Fallschirmjäger, sollen im Süden von Nam Dinh abspringen.
Ihre Aufgabe ist es, zu den in Nam Dinh eingeschlossenen Einheiten vorzustoßen, einen Brückenkopf für die Landung des Flusskonvois zu besetzen und dazwischen einen Korridor durch die Stadt zu sichern.

Um 22:30 Uhr startet eine Vorhut der Fallschirmjäger in Hanoi. Eine gute halbe Stunde später erreicht diese Nam Dinh, wo die Flugabwehr der Vietminh durch die Motoren der Maschinen alarmiert wurde.
Im aufsteigenden Nebel und unter Beschuss wird die Vorhut, die Sections Edme und Legendre, abgesetzt.
Leider landen sie teilweise in Sümpfen und werden direkt von Infanterie der Vietminh beschossen.
Es gelingt ihnen erst am Vormittag des 06. Januar 1947 in die Stadt vorzudringen.

Die erste Welle von 180 Fallschirmjägern unter Capitaine Ducasse springt unterdessen gegen 01:00 Uhr ab.
Das Feuer der Flugabwehr ist erneut sehr schwer und der Nebel verhindert die Sicht. Wichtiges Material wird falsch abgeworfen und geht verloren. Von den zehn Maschinen werden neun getroffen.
Die Maschinen kehren alle nach Hanoi zurück, doch sie können aufgrund des dichten Nebels über Nam Dinh die zweite Welle Fallschirmjäger nicht absetzen. Die Compagnie von Capitaine Charvet fliegt unverrichteter Dinge nach Hanoi zurück.

Zahlreiche Fallschirmjäger der ersten Welle sind unglücklicherweise direkt in Nam Dinh gelandet. Bevor sie sich sammeln können, kommt es zu schweren Gefechten.
Denn in der Stadt befinden sich hunderte Vietminh, die Barrikaden errichtet haben und sich in den Häusern verschanzt haben.
Es entwickeln sich erbitterte Häuserkämpfe, die zu schweren Verlusten auf beiden Seiten führen.

Bis zum Morgengrauen des 06. Januar 1947 ist es den Fallschirmjägern aber schließlich gelungen, zu den belagerten Einheiten des II/6° R.I.C. vorzudringen. Diese haben sich in ihrer Kaserne, dem Camp Carreau, und Teilen einer benachbarten riesigen Baumwollfabrik verschanzt.
Auch mehrere Straßen, die den Korridor bilden sollen, sind bereits in der Hand der Paras.
Doch der Brückenkopf am Landungssteg der Baumwollspinnerei kann für die Landung der Legionäre nicht pünktlich bis 08:30 Uhr eingenommen werden. Es gibt noch heftige Kämpfe im Umfeld, bei denen u.a. Lieutenant Anrdé Josse, einer der Zugführer, fällt.

06. Januar 1947 - Nam Dinh Giang

Derweil erreicht der Flusskonvoi gegen 03:30 Uhr in den Morgenstunden des 06. Januar 1947 die Einmündung des Nam Dinh Giang, welcher direkt nach Nam Dinh führt.
Kurz vor Nam Dinh gerät man auf dem Nam Dinh Giang ebenfalls in den dichten Nebel, welcher die Sicht behindert.

Das erste L.C.T., welches dem Konvoi etwa 300 Meter vorausfährt und auf dem sich Lieutenant Mulsant mit der Hälfte der 4° Compagnie des I/3° R.E.I. befindet, gerät plötzlich unter schweres Feuer vom Ufer.
Mit den Bordwaffen des L.C.T. wird zurückgeschossen, doch die Geschütze der Vietminh sind gut verborgen und können zunächst nicht ausgeschaltet werden.

Das dritte Boot, ein L.C.M. mit einem der Panzer wird durch Granaten einer 75mm Kanone schwer getroffen und muss am Ufer landen, um nicht auf dem Fluss zu kentern.
Lieutenant de Vaisseau Jacques Francois, der Führer des Konvois, befindet sich mit Lieutenant Mulsant auf dem ersten L.C.T. und dirigiert sein Boot zur Unterstützung des L.C.M. ebenfalls in Richtung Ufer.
Dabei wird er tödlich getroffen und sackt zusammen, es ist genau 03:52 Uhr.

Trotzdem landet das erste L.C.T. wenige Minuten später am Ufer. Als sich die Rampe senkt, springen die Legionäre der 4° Compagnie vorwärts an Land und suchen dort Deckung.
Das Gewehrfeuer der Vietminh machen den Legionären nicht so viel zu schaffen, aber sie haben die 75mm Kanone, welche die komplette Kompanie auslöschen könnte. Glücklicherweise beschießt die Kanone aber noch die anderen Boote auf dem Fluss.

Es findet sich mit Sergent-Chef Maniquet ein Freiwilliger, welcher zusammen mit einem Legionär das Geschütz ausschalten will. Und tatsächlich gelingt es den zwei Männern noch einer halben Stunde, die Stellung des Geschützen auszumachen.
Sie machen die drei überraschten Vietminh am Geschütz nieder und platzieren Handgranaten an dessen Bedienungselementen.
Mit der Explosion der Handgranaten ist das Geschütz endlich ausgeschaltet.
Doch im gleichen Moment schlagen Granaten um die Geschützstellung ein, vermutlich abgefeuert von einem der Boote. Sergent-Chef Maniquet bekommt einen Splitter ab, ihm wird dabei die Bauchdecke aufgerissen.
Seinem Kamerad bleibt nicht viel Zeit zum Überlegen. Er legt ihm mit seinem verschmutzten Hemd einen provisorischen Verband an, dann schleppt er ihn zurück zum Ufer.

Dort haben die Legionäre der 4° Compagnie ihre Stellung gehalten und die Vietminh zurückgedrängt.
Der verletzte Sergent-Chef kann durch einen Arzt der Coloniale vor Ort operiert werden. Er wird überleben und fünf Monate später zur 4° Compagnie zurückkehren.

Im Morgengrauen, als sich gegen 08:30 Uhr der Nebel lichtet, stellt Lieutenant Mulsant fest, dass man am falschen Ufer gelandet ist.
In Sichtweite auf der gegenüberliegenden Seite des Nam Dinh Giang liegt der Landungssteg der Baumwollspinnerei, den die Fallschirmjäger einnehmen sollten. Doch diese sind noch nicht zu sehen, lediglich die Vietminh, die sich hinter dem Steg in der Spinnerei festgesetzt haben.

06. Januar 1947 - Nam Dinh

Man entschließt sich die Landung alleine durchzuführen, trotz der äußerst riskanten Situation.
Da die L.C.T. dort nur einzeln anlegen können, wird nun die komplette 4° Compagnie des I/3° R.E.I. in einem L.C.T. aufgenommen.

Bei der Annäherung des L.C.T. an den Landungssteg, prasseln bereits die ersten Feuergarben gegen die Panzerung.
Als sich die Laderampe schließlich senkt, stürmen die Legionäre auf den Steg. Sie sind dort die ersten 25 Meter ohne Deckung und so werden einige der Legionäre getroffen.
Zunächst trifft es einen MG-Schützen. Obwohl er in der Brust getroffen wurde, gelingt es ihm aber noch, sein MG in Stellung zu bringen und den Kameraden für einige Minuten Feuerschutz zu geben. Dann verstirbt er.
Es entwickelt sich ein erbitterter Nahkampf um die Stellungen der Vietminh in der Spinnerei. Zahlreiche Legionäre fallen oder werden verwundet, darunter auch fast alle Zugführer der 4° Compagnie.
Gegen 09:40 Uhr fallen die ersten Stellungen der Vietminh. Doch erst als ein zweites L.C.T. mit Soldaten der Coloniale am Steg anlegt, ziehen sich die Vietminh zurück.

Kurz nach 10 Uhr kann dann auch Kontakt mit den Fallschirmjägern hergestellt werden.
Doch der Kampf um Nam Dinh ist noch nicht vorbei. Noch immer halten sich die Vietminh in großer Anzahl in der Stadt.
Es gilt nun, den Korridor für die Evakuation der Zivilisten vollständig freizukämpfen und zu einer Compagnie des II/6° R.I.C. vorzustoßen, welche sich im Gebäude der Banque d´Indochine verbarrikadiert hat.
Eine kleine Gruppe von Legionären der 4° Compagnie kämpft sich nun als Stoßtrupp über die letzten 150 Meter vom Boulevard Paul Bert entlang der Avenue Francis Garnier. Der Rest der 4° Compagnie folgt und besetzt sukzessive die Gebäude.
Vor einem gegnerischen Bunker kommt der Vorstoß ins Stocken. Sergent-Chef Ponticaccia von der Section F.V. wird bei der Bergung eines Verletzen selbst schwer verletzt.
Trotzdem gelingt der Vorstoß letzendlich und um 11 Uhr hat man das Bankgebäude erreicht, wo sich Sous-Lieutenant Colin mit seinen Männern seit Wochen hält.

Ab 13 Uhr werden schließlich die ersten Zivilisten, sowie die kranken und schwer verwundeten Soldaten auf die Schiffe evakuiert.
Die Vietminh verhalten sich in dieser Zeit ruhig. Sie vermuten, dass die französischen Truppen Nam Dinh komplett aufgeben und sie daher ohnehin bald die Herren der Stadt sein werden.

Während die Zivilisten auf den L.C.T. evakuiert werden, bleiben die eingetroffenen Unterstützungskräfte, um Nam Dinh weiter zu halten.
Auch die Fallschirmjäger erhalten den überraschenden Befehl, in Nam Dinh zu verbleiben.

Als die letzten Boote am späten Nachmittag des 06. Januar 1947 Nam Dinh wieder verlassen, bleiben nur drei ausgezehrten Kompanien des II/6° R.I.C., die stark geschwächte Kompanie Fallschirmjäger und die 4° Compagnie des I/3° R.E.I. in der Stadt zurück.

07. Januar bis 11. März 1947 - Nam Dinh

Am 07. Januar 1947 zieht man Bilanz bei den Fallschirmjägern. Sie haben am Vortag 40 Vermisste, sechs Tote und elf Schwerverletzte verloren.

Auch bei der 4° Compagnie des I/3° R.E.I. gab es acht Gefallene, darunter Sergent Hans Boer, Sergent Maurice Monnier, Caporal-Chef Stanislas Buczkowski und der Legionnaire Siegmund Bresenack. Diese werden vor Ort begraben.
Die Sergent-Chefs Maniquet und Ponticaccia, sowie sieben Legionäre konnten schwer verletzt evakuiert werden.
Verletzt verbleiben bei der 4° Compagnie Sous-Lieutenant Landel, zwei Sous-offs und zwei Legionäre.

Die 4° Compagnie des I/3° R.E.I. unter den Lieutenants Mulsant und De Franclieu verschanzt sich nun mit den anderen Einheiten u.a. in der Spinnerei der Baumwollfabrik und weiteren Gebäuden des großen Komplexes.
Man ahnt noch nicht, dass man noch über zwei Monate hinweg gegen die Übermacht der Vietminh in der Stadt aushalten muss.

Es kommt dabei zu weiteren Verlusten. So erliegt beispielsweise am 11. Januar 1947 Sergent Waffel seinen Verletzungen, die er sich am 06. Januar 1947 zugezogen hatte.

Die Belagerung dauert aber noch zahlreiche weitere Wochen an. Die Vietminh greifen nicht an, aber es spielen sich trotzdem unsägliche Dramen ab.
So breiten sich Krankheiten unter den Eingeschlossenen aus und fordern Opfer. Glücklicherweise findet sich in den Reihen der 4° Compagnie ein Sergent, welcher als ehemaliger Arzt der Wehrmacht fachkundige Maßnahmen treffen kann und eine Epidemie verhindert.

Auch Heckenschützen der Vietminh schlagen immer wieder zu. Es ist ein zehrender Nervenkrieg mit den Vietminh, der für die Überlebenden der 4° Compagnie erst am 11. März 1947 endet.

Nam Dinh

März 1947

Foto von Adalbert Appelt, 3° Cie.,I/3° R.E.I.


An diesem Tag trifft endlich die ersehnte Kolonne aus Hanoi ein, die Kameraden des I/3° R.E.I., mit der Unterstützung von Panzern, an der Spitze.
Lieutenant Mattei stößt hier wieder zur seiner ausgezehrten 4° Compagnie und übernimmt deren Führung.