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Feldpost

Einleitung

Die folgenden Absätze sind Auschnitte aus der Feldpost des deutschen Legionärs Harry K., der seinerzeit in der 11° Compagnie des III/3° R.E.I. diente.

Er war unter anderem bei Lap Vo und in Vinh Long stationiert und seine Zeilen sind interessante Berichte aus erster Hand.

Feldpost vom 15. Juli 1946 aus Lap Vo

Exp: Legionnaire Harry K., 11░ Compagnie des III/3░ R.E.I.

Auf Posten Ende 1946

Indochina, am 20. November 1946

"...Hier auf unserem Posten ist es auch ganz schön. Für Arbeit bin ich auch nicht zu haben und es ist glücklicherweise nicht viel Arbeit hier. Sonst vier Stunden Wache, zwei am Tage und zwei in der Nacht, der Rest ist Freizeit.

Vor ein paar Tagen haben wir den französischen Kameraden gezeigt, was ein deutscher Kameradschaftsabend ist. Ein paar kleine Sketchs wurden gespielt, einige Lieder gesungen und daneben für Rauch- und Trinkwaren gesorgt. Die haben vielleicht Augen gemacht...
...Wir sind 16 Mann auf auf unserem Urwaldposten, davon fünf Franzosen, der Rest Deutsche. Du kannst Dir vielleicht vorstellen, wie das hingehauen hat.

Jetzt ist Friede mit den Viet-Nam, jetzt wird nichts mehr erlebt. Aber früher war hier mehr los. Ich will Dir nicht das Schwere der Patrouillen berichten, nein, nur die heitere Seite.
Die Brücken, die hier über Flüsse und Bäche führen, bestehen nur aus einem oder zwei armdicken Ästen. Die Einheimischen sind es gewohnt, darüberzugehen, aber wir, zudem noch in voller Ausrüstung, sind ungeübt darin. Bei jeder Unternehmung fielen einige mit Waffen und sämtlichen Gerät in die Bäche.
Einmal brach ein langer Ast in der Mitte durch und zwei Mann spielten U-Boot, denn es waren zu allem Unglück noch zwei Nichtschwimmer.

Auf einem Posten hatte ich einmal ein kleines Erlebnis mit einer Schlange. Ich ging mit zwei Partisanen einen kleinen Streifzug, plötzlich höre ich vor mir ein Rascheln im dürren Gras. Ungefähr 10m vor mir sah ich eine vielleicht zwei Meter lange Schlange. Meine beiden einheimischen Begleiter liefen, daß sie soger ihre Holzschlappen verloren.
Ich handelte in diesem Augenblick ganz automatisch, Knarre runter, kurz gezielt und geschossen. Ich hatte Glück, die Kugel zerschmetterte der Schlange kurz hinter dem Kopf den Körper, doch sie kroch noch weiter, ohne mich allerdings zu sehen. Mit dem Kolben schlug ich sie vollends tot.
Vor Schlangen und anderem giftigen Viehzeug wie Scorpione, Eidechsen und Spinnen habe ich allen Respekt. Und von dem Zeug gibt es hier genug.

Aber auch die schwerfälligen Büffel sind nicht zu verkennen. In Ap Bac hätte ich bald einmal Bekanntschaft mit einem Büffelhorn gemacht.
Ich war etwas abseits vom Posten, vielleicht 60m. Ich hatte nichts zu tun und wie es dann immer ist kommt man auf dumme Gedanken. So auch hier. Ich neckte einen Büffel, der 40 bis 50m weiter stand, indem ich ihn dauernd mit Steinen bewarf. Es wurde ihm wahrscheinlich zu viel, stets Zielscheibe meiner Künste zu sein, er drehte sich nach mir und sauste los. Jetzt wurde es für mich allerdings auch Zeit. Es war vielleicht ein komisches Bild, ich vorneweg, der Büffel hinter mir her. Aber wie ich die 60m gerannt bin, kann ich Dir nicht sagen, es war Weltbestzeit. Und wie ich auf die zwei Meter hohe Mauer gekommen bin, weiß ich selbst nicht mehr. Ich war kaum oben, da erzitterte die Mauer unter dem ersten wuchtigen Aufprall des Tieres. Ich holte sofort mein MG und schoß ihm ein ganzes Magazin in den Schädel, das sind immerhin 30 Schuß. Aber er arbeitete noch zwei bis drei Minuten weiter an der Mauer, ehe er umfiel.
Die Kameraden haben köstlich gelacht und erzählten mir später, der Büffel wäre dreimal schneller gelaufen als ich. Mir war allerdings nicht zum Lachen zumute.
Vor ein paar Tagen habe wir ausprobiert, daß ein Büffel im Wasser wehrlos ist, da kann man sich unbesorgt auf den Schädel und zwischen die Hörner setzen.

Da wir gerade bei Tieren sind, möchte ich unseren kleinen Jonny nicht vergessen, der uns viele heitere Stunden schenkt. Stets müssen wir über ihn neu lachen, über unseren kleinen Sections-Affen. Es ist ein richtiger frecher und neunmalkluger Affe, wie sie auch im Berliner Zoo zu sehen sind.
Es ist eine seltsame Verbundenheit zwischen Mensch und Affe. Sollte die Darwin´sche Lehre schon darin ihre Bestätigung finden?..."

Operation im April 1947

Vinh Long, am 14. April 1947

"...Eines Nachmittags hieß es plötzlich, wir sollten uns fertigmachen für eine größere Operation.
Am nächsten Morgen bereits fuhren wir los, wir sollten auf der Straße Vinh Long - Tra Vinh operieren. Nun gut, am Bestimmungsort angekommen, schlugen wir uns gleich links in die Büsche.
Wir gingen über die schmalen, schlüpfrigen Wege und gleich bei den ersten hundert Metern fiel ich gleich zweimal ins Wasser.
Der Lauf meines MG war ganz verstopft. Ein Glück, daß es überall solchen dünnen Bambus gibt, der genau in den Lauf paßt und mit dem man den Dreck herausdrücken kann, sonst hätte ich unter Umständen garnicht schießen können.
So ging es weiter und wir hätten auch einen ganz schönen Erfolg erzielt, denn überall sahen wir viele Männer die Flucht ergreifen. Nun kommt das schönste der französischen Kriegsführung, es war uns verboten, auf diese Ausreißer zu schießen oder ihnen nachzulaufen, um sie zu fangen.
Zu Mittag machten wir an einem Gefechtsstand der Viet Minh halt. Das war ein wunderschönes Steinhaus mitten im Urwald und noch fünf kleineren Nebenhäusern. Gegen Abend kamen wir auf die Straße und sahen, daß die Brücke, die über den Fluß führte, bis auf die Pfeiler abgebaut war. Nun bauten wir dort erst einmal eine Behelfsbrücke und für uns Stellungen im Falle eines Angriffs.
Von nun an gingen wir auf der Straße vor, mußten aber öfter Halt machen, als uns lieb war. Alle zwei Kilometer war nämlich ein 10m langes und 1m tiefes Loch in der Straße, an den Seiten schön senkrecht abgehackt.
Diese Löcher mussten wir wieder soweit herrichten, daß die Autos durch diese Löcher fahren konnten.
Außerdem waren sämtliche Brücken auf unserem Wege mehr oder weniger zerstört.
So ging es die ganze Zeit, viele Arbeit wenn sie fertig ist, dann zogen wir weiter.
Nun bin ich zurück und liege in der Infirmerie, in der Krankenstube..."

Aufbruch im Mai 1947

Indochina, am 17. Mai 1947

"...Ich lag in der Infirmerie, diese wurde ganz plötzlich aufgelöst. Ich kam zurück zur Kompanie und die zwei Tage, die ich dort war, waren ausgefüllt mit Packen und Verladen.
Es ging fort, ein weite Reise sollte begonnen werden. Wir fuhren mit Autos bis Vinh Long zurück und von dort aus mit Schiffen bis Saigon.
Nun liegen wir schon den zweiten Tag in einem kleinen Nest 30km von Saigon und warten auf den nächsten großen Dampfer, der uns über irgend ein Meer transportieren soll.
Wohin es geht, weiß noch niemand..."

Pfingsten 1947

Indochina, am 30. Mai 1947

"...Ich habe erst am Pfingstmontag erfahren, daß überhaupt Pfingsten war. Am Mittag dieses Tages kamen wir von einer sechstätigen Operation zurück und wunderten uns über das ausnahmsweise gute Esen und den Wein.
Auf Befragen erklärten uns die Kameraden, das Pfingsten wäre. Wir haben geglaubt, es käme ein General.
Diese Operation hat hat uns einmal für eine Stunde köstlich zum Lachen gebracht, obwohl sie sonst sehr schwierig war, bis zu den Knöcheln im Sumpf, stets mit schwerem Gepäck beladen und nachts plagten und stachen uns die Moskitos.
Um sich dagegen zu schützen, hatte sich unser Gruppenführer, ein frz. Kaporalchef, fünf oder sechs Bündel Weihrauchglimmer organisiert...
...davon stellte er immer ein Bündel unter sein Bett, um mit dem Rauch die Moskitos zu verjagen, was auch möglich ist. Und das Bündel qualmte, vom Schangel war nichts mehr zu sehen.
Wir standen alle in einer Ecke des Hauses und der Jüngste von uns, 17 Jahre, lachte eine ganze Stunde lang: "Der Schangel geht an den Knüppel, der Schangel verreckt". Und wir mussten mit dem kleinen 15 Gramm mitlachen, so heißt der kleine Frechdachs bei uns..."

Überfahrt und Ankunft in Tonkin 1947

Tonkin, am 4. Oktober 1947

"...Nun will ich Dir kurz berichten, weshalb ich so lange nicht schreiben konnte.
Wir sind aud dem äußersten Süden Indochinas, vielleicht findest Du das Städtchen Camau auf der Landkarte, nach Tonkin gekommen.
Tonkin ist die Provinz, die an China angrenzt, ganz im Norden Indochinas. Ich liege zur Zeit in Hanoi, der Hauptstadt von Tonkin.
Die Fahrt war ziemlich schlimm. Bis Saigon fuhren wir mit Camions, die Straßen waren schlecht, vielfach aufgerissen, und wir wurden durcheinandergeschüttelt, daß es kein Vergnügen mehr war.
In Saigon wurden wir umgeladen auf den französischen Panzerkreuzer "Tourville". Mit diesem Schiff fuhren wir bis in die Bai von Along.
Mitten auf dem Ozean überraschte uns ein ein zweitägiger Sturm. Es war unser Glück, das wir uns stets am Rande halten koneten und nicht ins Zentrum des Orkans kamen. Trotzdem wurden wir naß bis auf die Haut und viele Kopfbedeckungen flogen davon.
In der Bai von Along wurden wir umgeladen auf ein kleineres Schiff, das sich später als die ehemalige deutsche München herausstellte. Der Kreuzer konnte wegen seines Tiefganges nicht mehr weiterfahren, dann wir fuhren jetzt in ein herrlichen Inselgewirr. 20m bis 30m links und rechts neben dem Schiff stiegen die Felsen aus dem Wasser auf in den bizarrsten Formen.
Nach einiger Zeit fuhren wir in den Roten Fluß ein. Dieser Rote Fluß trägt seinen Namen zu recht, denn er ist tatsächlich rot, vielmehr schmutzigrot; wovon, weiß ich auch nicht, vielleicht vom vielen Eisengehalt oder vom Lehm.
Wir fuhren in Haiphong ein, wurden ausgeladen und kamen in eine Kaserne. Haiphong ist eine Hafenstadt wie jede andere Hierzulande, ein Teil vornehm, ein Teil verkommen. Außerdem ist Haiphong ein wenig zerstört.
Am nächsten Morgen fuhren wir mit der Eisenbahn nach Hanoi. Hier kamen wir auf den Flugplatz und machten sofort am nächsten Tag Operation.
So ging das enige Tage weiter, dann kamen wir auf Posten, wo es nach vieler Arbeit aussah..."

Herbst 1947 - Operation in Tonkin

Tonkin, am 14. November 1947

"...Auch ich konnte leider einige Wochen nicht schreiben, da wir mit unserem Battalion eine Großunternehmung mitten ins Herz des Viet-Minh-gebietes gemacht haben.
Diese Operation dauerte 18 Tage, sodaß uns Flugzeuge Verpflegung und Munition abwerfen mußten. Wir fuhren zunächst 150km mit Landungsbooten und marschierten dann 100km zu Fuß.
Unsere Aufgabe war, eine eingeschlossene französische Kampfgruppe zu suchen und zu befreien.
Dieses gelang uns bereits nach fünf Tagen. Auf diesem Vormarsch hatte der Gegner keine Zeit, uns aufzuhalten.
Jedoch auf dem Rückweg wurden wir mehrmals angegriffen und beschossen. Aber es war nichts zu machen. Wir arbeiteten Hand in Hand mit der Marineartillerie und der Luftwaffe. Ließ sich irgendwo ein stärkerer Feind sehen, trat sofort die Artillerie in Tätigkeit.
Wich der Viet-Minh trotzdem noch nicht, wurden zwei Flugzeuge aus Hanoi gerufen, die in 10 Minuten zur Stelle waren. Die zwei Jabos lösten dann im Tiefflug den Feind auf, der damit in die Feuergarben unserer MGs kam. Die Viet-Minhs hatten sehr schwere Verluste, während wir nicht einen Mann einbüßten.
Als ich nun vor zwei Tagen zurückkam..."